Ratgeber zu psychischer Gesundheit und Psychotherapie

In diesem Ratgeber finden Sie Informationen zu häufigen psychischen Belastungen und Themen der psychischen Gesundheit. Die Beiträge greifen Fragen auf, die in der psychotherapeutischen Praxis häufig auftreten, und erklären psychologische Zusammenhänge verständlich und praxisnah.

Aktuelle Beiträge

Psychologische Beratung und psychische Gesundheit
Frühjahrsmüdigkeit

Frühjahrsmüdigkeit – Mythos oder echtes Phänomen?

Viele Menschen berichten im Frühling von Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsproblemen. Für dieses Phänomen hat sich der Begriff Frühjahrsmüdigkeit etabliert. Doch existiert sie tatsächlich – oder handelt es sich eher um eine verbreitete Vorstellung?

Ein Bericht auf science.ORF.at greift eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung auf, die genau dieser Frage nachgegangen ist. Die Ergebnisse stellen die verbreitete Annahme der Frühjahrsmüdigkeit deutlich in Frage.

Was die Forschung zur Frühjahrsmüdigkeit sagt

In einer Studie eines Forschungsteams der Universität Basel und des Inselspitals Bern untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ob Menschen im Frühling tatsächlich messbar müder sind als zu anderen Jahreszeiten.

An der Untersuchung nahmen über 400 Erwachsene teil. Über ein ganzes Jahr hinweg beantworteten die Teilnehmenden regelmäßig Fragebögen zu Schlafqualität, Tagesmüdigkeit, Erschöpfung und möglichen Schlafproblemen. So konnten die Forschenden Veränderungen zwischen den Jahreszeiten systematisch vergleichen.

Das Ergebnis fiel überraschend eindeutig aus: Die Müdigkeit der Teilnehmenden blieb über das Jahr hinweg weitgehend konstant. Weder im Frühling noch in anderen Jahreszeiten zeigte sich ein klarer Anstieg von Tagesmüdigkeit oder Schlafproblemen.

Warum viele Menschen trotzdem von Frühjahrsmüdigkeit sprechen

Interessant ist, dass zu Beginn der Studie fast die Hälfte der Befragten angab, selbst unter Frühjahrsmüdigkeit zu leiden. Die späteren Messungen bestätigten diese Einschätzung jedoch nicht.

Die Forschenden vermuten daher, dass Erwartungen eine wichtige Rolle spielen könnten. Wenn Menschen davon ausgehen, im Frühling besonders müde zu sein, achten sie stärker auf entsprechende körperliche Signale. Psychologisch lässt sich das als eine Art Erwartungseffekt erklären.

Hinzu kommt, dass viele Menschen im Frühling wieder aktiver werden möchten. Nach den oft ruhigeren Wintermonaten steigen die Erwartungen an Energie, Bewegung und Aktivität. Wenn das persönliche Energielevel diesen Erwartungen nicht sofort entspricht, wird dies leicht als „Frühjahrsmüdigkeit“ interpretiert.

Die Rolle von Licht und Schlafrhythmus

Häufig wird vermutet, dass hormonelle Veränderungen – etwa durch das Schlafhormon Melatonin – für Frühjahrsmüdigkeit verantwortlich sind. Schlafmedizinerinnen und Schlafmediziner halten diese Erklärung jedoch für wenig überzeugend. Melatonin wird täglich im Rhythmus von Tag und Nacht reguliert und passt sich relativ schnell an veränderte Lichtverhältnisse an.

Tatsächlich zeigen viele Untersuchungen sogar, dass zunehmendes Tageslicht im Frühling eher zu mehr Wachheit und Aktivität beitragen kann.

Wenn Müdigkeit länger anhält

Auch wenn die klassische Frühjahrsmüdigkeit wissenschaftlich kaum belegt ist, bedeutet das nicht, dass anhaltende Müdigkeit ignoriert werden sollte. Erschöpfung kann unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel:

  • Schlafmangel oder unregelmäßige Schlafzeiten
  • Stress oder psychische Belastungen
  • depressive Verstimmungen
  • körperliche Erkrankungen oder hormonelle Veränderungen

Wenn Müdigkeit über längere Zeit anhält oder mit weiteren Beschwerden einhergeht, kann es sinnvoll sein, genauer hinzusehen und mögliche Ursachen zu klären.

Fazit

Die Vorstellung einer typischen Frühjahrsmüdigkeit ist weit verbreitet. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen legen jedoch nahe, dass es sich dabei eher um ein kulturelles Konzept als um ein klar nachweisbares biologisches Phänomen handelt.

Müdigkeit im Frühling kann selbstverständlich vorkommen – sie scheint aber nicht stärker ausgeprägt zu sein als zu anderen Zeiten im Jahr. Wichtiger als die Jahreszeit sind oft Faktoren wie Schlaf, Stress, Bewegung und das persönliche Wohlbefinden.

Angststörungen verstehen: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Angst ist ein grundlegendes menschliches Gefühl und erfüllt eine wichtige Schutzfunktion. Problematisch wird Angst jedoch dann, wenn sie sehr stark, dauerhaft oder ohne konkrete Bedrohung auftritt und den Alltag erheblich beeinträchtigt. In solchen Fällen kann eine Angststörung vorliegen.

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung im Laufe des Lebens unter einer Angsterkrankung leidet. Auch im deutschsprachigen Raum berichten zahlreiche Menschen über ausgeprägte Angstsymptome.

Was sind Angststörungen?

Bei einer Angststörung tritt Angst häufiger, intensiver oder länger anhaltend auf als es die jeweilige Situation rechtfertigt. Betroffene erleben starke Sorgen, innere Anspannung oder körperliche Angstreaktionen, die sich nur schwer kontrollieren lassen.

Häufige Formen von Angststörungen

  • Generalisierte Angststörung
  • Panikstörung
  • Soziale Angststörung
  • Spezifische Phobien

Diese Störungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Ursachen von Angststörungen

Angststörungen entstehen meist durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Biologische Faktoren

Aktuelle genetische Studien zeigen, dass viele unterschiedliche genetische Varianten an der Entstehung von Angststörungen beteiligt sein können. Auch Veränderungen in Gehirnnetzwerken, die für Stressverarbeitung verantwortlich sind, spielen eine Rolle.

Psychologische Faktoren

Persönlichkeit, Lernerfahrungen und belastende Erfahrungen können beeinflussen, wie stark ein Mensch auf Stress reagiert und wie sich Angst entwickelt.

Belastende Lebenssituationen

Krisen, chronischer Stress, Konflikte oder gesundheitliche Probleme können Angstreaktionen verstärken oder eine bestehende Anfälligkeit aktivieren.

Typische Symptome einer Angststörung

Angststörungen äußern sich häufig sowohl psychisch als auch körperlich.

  • anhaltende Sorgen und Grübeln
  • starke innere Anspannung
  • Herzklopfen oder schneller Puls
  • Atemnot oder Engegefühl
  • Schwindel oder Zittern
  • Vermeidung bestimmter Situationen

Behandlungsmöglichkeiten bei Angststörungen

Psychotherapie

Psychotherapie gilt als eine der wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten bei Angststörungen. In der Therapie können Betroffene lernen, ihre Angst besser zu verstehen, neue Strategien im Umgang mit belastenden Situationen zu entwickeln und persönliche Ressourcen zu stärken.

Mehr über meine Arbeitsweise erfahren Sie auf der Seite Psychotherapie.

Medikamentöse Behandlung

In manchen Fällen können auch Medikamente eingesetzt werden. Die Entscheidung darüber erfolgt meist in Zusammenarbeit mit Ärztinnen oder Ärzten.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Stressreduktion
  • Entspannungsverfahren
  • Bewegung und körperliche Aktivität
  • soziale Unterstützung

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Professionelle Unterstützung kann besonders dann hilfreich sein, wenn Angst über längere Zeit anhält, den Alltag stark beeinträchtigt oder zunehmend Situationen vermieden werden.

Informationen zum Ablauf einer Therapie finden Sie auch auf der Seite Ablauf und Kosten.

Fazit

Angststörungen sind weit verbreitet, aber in vielen Fällen gut behandelbar. Ein besseres Verständnis der eigenen Angst und eine passende therapeutische Unterstützung können helfen, wieder mehr Sicherheit und Lebensqualität zu gewinnen.

junge Frau am Boden sitzend